Uptown Strut & Shook

Uptown Strut

Da habe ich die Uptown Strut schon seit zwei, drei Wochen rumfliegen und mir schon lange vorgenommen, hier mal ein paar Sätze darüber zu schreiben, und dann ist es quasi zu spät, weil Kai und Matthias eigentlich schon alles wichtige gesagt haben. Mist.

Trotzdem möchte ich hier noch kurz meinen Saft dazugeben – zu dem kostenlosen Magazin, dass sich mit Soul, Funk und Jazz beschäftigt, gibt es nämlich durchaus einiges anzumerken. Gut aufgemacht, optisch ansprechend, sehr zielgruppenorientierte und daher wenig störende Werbung, schöne Artikelauswahl – und dann Artikel wie die von Reinhard Jellen oder auch der abschließende Kommentar von Ada Loveshake (was für ein Künstlername!).

Jellen, der einer der ersten Soul DJs in Deutschland war und u.a. für Spex und Telepolis schreibt, analysiert auf fünf Seiten die Entwicklung von Nothern Soul in Deutschland. Für mich, dem diese Musik eigentlich immer ganz sympathisch war, ohne auch nur ansatzweise Ahnung zu haben, sehr interessant zu lesen, wo die Szene ihren Ursprung hat, wie sie ihren Weg nach Deutschland fand, und wie sie auf Entwicklungen wie CDs und das Web reagiert hat. Irgendwie weiß ich dann aber am Ende doch nicht ganz, was ich von dem Artikel halten soll. Die Fixierung auf rare 45s ist zwar sicher in Zeiten von Filesharing irgendwie unzeitgemäß, gleichzeit wäre die Szene ohne diese besessenen Sammler vermutlich heute längst verschwunden.

Uneingeschränkt anschließen kann ich mich dagegen dem Kommentar von Ms. Loveshake, die sich aus DJ-Perspektive über die Borniertheit mancher Partygäste auslässt: Passt ein Stück nicht 100% ins Schema dessen, was die Szene für gut befindet, wird die Nase gerümpft – völlig unabhängig davon, ob der Song gut ist, oder nicht! Ich kenne das nur zu gut (wenn auch aus einer anderen musikalischen Ecke), bei uns laufen die entsprechenden Kandidaten unter Minimal-Nazis. Vielleicht eine etwas harte Wortwahl, aber im Kern beschreibt es das Verhalten ganz gut: ein bisschen zu viel Melodie oder – oh mein Gott! – Vocals, und die Vertreter dieser Gattung verziehen sich Richtung Theke, Klo, oder bleiben mitten auf der Tanzfläche stehen und sehen einen an, als hätte man gerade Udo Jürgens aufgelegt (was übrigens wirklich zu weit gehen würde).

Aber ich schweife ab: Uptown Strut liegt in Münster bei Elpi und Jörg’s CD Forum aus. Wo sonst, steht hier.

ShookDa ich jetzt schon so viel geschrieben habe, fasse ich mich für das Shook Magazine kurz. Habe ich mal auf Matthias’ Tipp hin bestellt und hat mich direkt völlig berzeugt: großartig aufgemacht mit tollem Layout und auf ordentlich dickem Papier gedruckt, inhaltlich quasi das Gegenstück zu Uptown Strut. Hier dreht sich alles um modernen Soul, wie er in London (wo das Mag auch herkommt) aus unzähligen Kellerstudios gewabert kommt. Berichtet wird über Nu Jazz, HipHop, Dubstep und artverwandtes aus allen Teilen der Welt, gepaart mit ein bisschen Technik-Schnickschnack und Streetart. Die nächste Ausgabe werde ich jedenfalls auch wieder bestellen und ich drücke die Daumen, dass das alles nicht zu sehr Nische ist, um zu überleben.

6 Kommentare

  1. Matthias

    Schön, dass dir Shook auch gefällt :O) Was die auch von dir angesprochenen “Naserümpfer” angeht: Ich bin ja selbst kein DJ, aber freue mich oft, wenn im Club mal etwas Abwechslung geboten wird – nur finde ich mich dann genauso oft fast allein auf der Tanzfläche wieder und verstehe die Welt nicht mehr. Ist schon komisch, wie festgefahren manche musikalischen Geschmäcker sind ;O)

  2. Carsten

    Kannst Du nicht ein paar Leute mehr von deinem Schlag auftun und die bei mir vorbeischicken?

  3. Thomas

    schöhn dass Dir unser Magazin soweit gefällt und Danke für den Beitrag. Wenn Du die uptown strut auch “hören” möchstest: jeden ersten Sonntag im Monat wird es auf soulsender.de die “uptown strut Revue” geben, eine Radiosendung analog zum Magazin. Mehr dazu auch auf: http://www.uptownstrut.de. Gruß aus Köln, Thomas.

  4. flashfonic.de

    […] in Design und erscheint nun im Büro 9 Verlag. Die kennen sich mit dem Thema ja schon durch die wie Uptown Strut […]

  5. flashfonic.de

    […] Die zweite Ausgabe der Shook ist draußen und direkt bestellt. Hoffentlich wieder so lesenswert und aufwendig gestaltet wie die Katalognummer 001. […]

  6. Das böse M-Wort - flashfonic.de

    […] und selbst der etwas verschrobene Sound eines Pépé Bradock ist plötzlich konsensfähig. Und Naserümpfen zu eingängigen Sounds war auch schon mal angesagter. Eine gute Phase für House Music […]

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