Jesus loves Isla Vista

Endlich wieder eine feste Homebase und vorerst mal kein Leben aus dem Koffer mehr. Seit Montag Abend residieren wir in den Beach View Apartments – was übrigens gelogen ist, sehen kann man den Strand von hier nämlich nicht, auch wenn er nur zwei Minuten entfernt ist. Isla Vista, unsere neue Nachbarschaft, gleicht im Moment einem Schlachtfeld – das Sommersemester ist vorbei und traditionell stellt man als Student, der sein Apartment aufgibt, einfach die alten Möbel auf die Straße. Die münsteraner Sperrmüllmafia hätte ihre helle Freude.

Unser Trip entlang der kalifornischen Küste war ziemlich erlebnisreich und etwas anstrengend – aber das war es absolut wert! Die Gegend hier wird nicht umsonst zu den schönsten Küstenstreifen der Welt gezählt. Ein kleiner Reisebericht:

San Francisco
Mein Favorit auf der ganzen Tour. Tolle Stadt und recht europäisch. Bei der Google I/O gewesen (wir berichteten), Jamie Lidell live gesehen (wir berichteten auch) und dank Dollarkurs plus Sales an jeder Straßenecke ziemlich maßlos geshoppt. Bin gespannt, wie wir den ganzen Krempel wieder nach Hause bekommen. Das SFMOMA ist auch definitiv einen Besuch wert. Einziger Minuspunkt: noch nie so viel Obdachlose gesehen. Teilweise wirklich erschreckend, wie auf der einen Straßenseite die teuersten Modelabels über die Ladentheke gehen, während direkt gegenüber um Wechselgeld für’s Abendessen gebettelt wird.

Berkeley
Von SF aus einmal über die Bay Bridge und man ist in einer halben Stunden in Berkeley. Eigentlich nur für die Uni bekannt, lohnt sich ein Abstecher aber allemal. Telegraph Ave (hier für Vinyljunkies natürlich besonders die Amoeba-Homebase) und der Campus lohnen sich definitiv. Die Finger lassen sollte man dagegen vom Piedmont House Hostel – es sei denn, man steht auf funny smell und völlig bekiffte Althippies, die die Reservierung verschlampt haben. Und man sollte versuchen, keinen Unfall mit dem Mietwagen zu bauen (nein, war nicht meine Schuld und es war auch nur der Kühlergrill etwas demoliert, trotzdem Rennerei ohne Ende).

Santa Cruz
Wenn man Santa Cruz hört, denkt man unweigerlich an Surfen und Skaten – nicht zu unrecht, kommen doch mit O’Neill und Santa Cruz Skateboards zwei der größten Labels in den beiden Bereichen aus dem sonst eher verschlafenen Städtchen. Die Haupttouriattraktion ist der Boardwalk, eine Art ganzjährige Kirmes – nur direkt am Strand und selbstverständliche ohne Bierbuden, wir sind schließlich in den USA. In Santa Cruz ist das Hostel ganz empfehlenswert, die Zimmer sind hier in kleinen Cottages untergebracht.

Monterey
In Monterey war Campen angesagt – durchaus interessant, fast allein auf einem Riesencampground mit Lagerfeuer und Wildkatzensichtung (zum Glück kein Puma, die es in der Gegend durchaus gibt, sonder nur ein Luchs). Monterey selbst ist ganz hübsch, ich würde es aber nicht als absolutes Muss empfehlen. Sehr schön ist allerdings, dass man in der Bucht von Monterey das ganze Jahr über Wale sehen kann. Unsere Walewatchingtour hat sich in der Hinsicht auf jeden Fall gelohnt, es gab eine ganze Reihe der Riesen zu sehen. Schon beeindruckend – wenn man nicht die halbe Tour über der Reeling hängt und den Jörg ruft…

Die Fahrt von Monterey aus auf dem Highway 1 an der Küste von Big Sur entlang ist übrigens eins der Highlights. Die Eindrücke da kann man gar nicht richtig in Worte fassen – einfach mal ein paar Fotos von der Gegend anschauen, dann kann man sich das vielleicht halbwegs vorstellen.

Los Angeles
Hier sollte ich eigentlich eher Hollywood und Beverly Hills sagen, viel mehr haben wir nämlich von L.A. nicht gesehen. Und da sieht man halt hauptsächlich Dinge, die man schon hundert mal im Fernsehen gesehen hat, von daher gab’s hier keine Überraschungen. Interessant ist es aber natürlich trotzdem, das mal in Natura zu sehen. Die grüne Seite von L.A. gibt’s am nördlichen Rand von Hollywood im Griffith Park zu sehen – stolze fünf mal so groß wie der New Yorker Central Park und mit allen möglichen Freizeiteinrichtungen gespickt. Unter anderem findet man dort auch das Greek Theatre, in dem wir eins der unglaublichsten Konzerte gesehen haben (das ist mir einen eigenen Post wert, deshalb verrate ich hier mal noch nicht mehr). Sehr eindrucksvoll ist auch das Getty Center in den Santa Monica Mountains, das man sich allein schon wegen der Architektur und den Blick auf die Stadt ansehen sollte. Bei der Fahrt Richtung San Diego durch die anderen Stadtteile bestätigte sich dann auch das Bild, das man im Allgemeinen vom übrigen Los Angeles hat: ein Riesenmoloch, in dem ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen könnte, zu leben.

San Diego
Letzte und südlichste Station auf dem Trip. San Diego ist nach L.A. die zweitgrößte Stadt Kaliforniens und ist ziemlich unterbewertet, würde ich sagen. Viel entspannter als L.A., trotzdem gibt es eine Menge zu sehen (Balboa Park zum Beispiel), und man fährt mit der Straßenbahn innerhalb von einer Viertelstunde an die mexikanische Grenze. Tijuana musste dann natürlich auch sein – sollte man sich mal ansehen, wenn man sowieso in San Diego ist. Man sollte nur nicht erwarten, dort das echte Mexiko zu sehen. Und man sollte sich darauf einstellen, dass es deutlich länger dauert, wieder in die USA rein-, als rauszukommen – die US-Grenzbeamten sind da nämlich etwas wählerischer als ihre mexikanischen Kollegen, von denen kaum was zu sehen war. Man geht einfach durch’s Drehkreuz, und schon ist man in Mexiko.

Von San Diego aus ging es dann wieder zurück nach Santa Barbara. Gut 1000 Meilen haben wir in den drei Wochen zurückgelegt, in nächster Zeit lassen wir es wohl erstmal wieder etwas entspannter angehen.

Ein Kommentar

  1. flashfonic.de

    […] Jetzt nun also endlich der versprochene Konzertbericht. […]

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