Google in China, Teil 2

Gestern Abend wurde im offiziellen Google Blog nun eine Stellungnahme veröffentlicht zum Launch von google.cn, dem chinesischen Google-Portal, bei dem die Suchergebnisse nach Regierungsvorgaben zensiert werden. Bis zum letzten Absatz gefällt mir der Tenor der Stellungnahme eigentlich nicht schlecht. Ein paar Auszüge:

For several years, we’ve debated whether entering the Chinese market at this point in history could be consistent with our mission and values. […] We ultimately reached our decision by asking ourselves which course would most effectively further Google’s mission to organize the world’s information and make it universally useful and accessible. Or, put simply: how can we provide the greatest access to information to the greatest number of people?

Filtering our search results clearly compromises our mission. Failing to offer Google search at all to a fifth of the world’s population, however, does so far more severely.

Gut finde ich auch den Hinweis, dass auch in anderen Ländern, darunter auch Deutschland, Google rechtswidrige Suchergebnisse filtert.

When we do so, we’ll disclose this to users, just as we already do in those rare instances where we alter results in order to comply with local laws in France, Germany and the U.S.

Dass die Zensur von rechtsextremen Websites völlig anders einzustufen ist als die von beliebigen regierungskritischen Quellen im Netz steht außer Frage, dass der Umfang der Zensur in China ein völlig anderer ist als hierzulande, wohl auch. Dennoch sollte man sich im klaren sein, dass man bei Google Deutschland auch nicht alles zu sehen bekommt, was gefunden wurde.

Diese ganze Argumentationsweise finde ich durchaus nachvollzierbar, vor allem, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob man einer sehr großen Nutzergruppe seinen Dienst mit Einschränkungen anbietet – oder eben gar nicht. Dennoch bleibt nach der Lektüre der Stellungnahme ein schaler Beigeschmack, denn im letzten Absatz kommt dann doch durch, dass hauptsächlich geschäftliche Interessen hinter Entscheidung standen, mit der chinesischen Regierung zu kooperieren:

We’re in this for the long haul. In the years to come, we’ll be making significant and growing investments in China. Our launch of google.cn, though filtered, is a necessary first step toward achieving a productive presence in a rapidly changing country that will be one of the world’s most important and dynamic for decades to come. To some people, a hard compromise may not feel as satisfying as a withdrawal on principle, but we believe it’s the best way to work toward the results we all desire.

4 Kommentare

  1. astrid

    Ich denke,dass die google-zensur,die dort stattfindet lediglichch letzte und in diesem sinne auch konsequente ausprägung des dortigen regimes ist.
    Die chinesische regierung versucht(zugegebenermaßen sehr effizient), jede menschenmöglich erkennbare gefahr,
    die ihrem ziel,eine usa-gleiche weltmacht zu werden,im keim zu ersticken.
    Das hierbei die persönlichkeitsrechte in mitleidenschaft gezogen werden, ignoriert sie ja seit jahrzehnten tapfer…
    Jedoch ist es neu,dass sie globale inormationsdienste wie google für ihre zensur einspannt-oder zumindest mittelbar involviert.
    Denn eigeentlich stehen sie ja für eine (fast) uneingeschränkte informationsdichte,die es jedem nutzer freitellt auf welche inhalte er nun zugriff nimmt.

  2. Carsten

    Aus der Sicht der chinesischen Regierung ist das natürlich alles logisch und deckt sich mit dem bisherigen Vorgehen, das sich in aller Regel einen Dreck um die Menschenrecht schert. Das davon auch Informationsdienste betroffen sind, ist eigentlich auch nichts neues, Yahoo und Microsoft arbeiten ja schon länger mit der chinesischen Regierung zusammen. Ich denke, die aktuelle Diskussion entsteht eigentlich nur dadurch, dass Google sich eben “Don’t Be Evil” auf die Fahnen geschrieben hat, und das deckt sich halt nicht mit dieser Kooperation.

  3. pat

    > Dass die Zensur von rechtsextremen Websites völlig anders einzustufen ist [..] steht ausser Frage

    Nun ja. Ich stelle das schon in Frage. Hier gilt ganz oder gar nicht. Ein bisschen zensieren gibt es nicht. Genauso wenig wie ein bisschen foltern, ein bisschen schmieren, ein bisschen wegsehen. Irgendjemand muss entscheiden, was als rechtsradikal einzustufen gilt, oder was nicht. Diese einzelne Person filtert nach eigenem Ermessen (und einem bestimmten Regelwerk), welche Information im Internet zu finden sind. Denn bei Googles Marktanteil gilt die Gleichung Google = Internet,

    Deswegen bin ich pauschal gegen Zensur. Aber da das nur ein schöner Traum ist, muss man sich halt Alternativen überlegen, um an seine Informationen zu kommen. Und die gibt, und die Chinesen kennen die wohl auch ;)

  4. Carsten

    Ich denke schon, dass ein Staat mit einer Geschichte wie Deutschland da in der Verantwortung steht, die Verbreitung solcher Inhalte zu unterbinden. Freie Meinungsäußerung sehe ich auch als eins der wichtigsten Grundrechte an, keine Frage. Aber das gilt eben nur so lange, wie man mit seinen Äußerungen niemand anders schadet. Und wer beispielsweise öffentlich gegen Auslänger hetzt, für den gilt das nun mal nicht.

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